Interview mit Inhaberin Luisa Schindler

Interview mit Inhaberin Luisa Schindler

BY Team Luilu •

Wir haben Luisa ein paar Fragen zur Gründung und allgemein zu Luilu gestellt. Hier bekommt ihr einen Einblick hinter die Kulissen und erfahrt, welche Herausforderungen es zu meistern gibt. Wollt auch ihr Luisa etwas fragen? Wir sammeln die Fragen und werden in regelmäßigen Abständen neue Interviews veröffentlichen.
Love, euer Luilu-Team

Blog-Luilu: Luisa, du bist keine gelernte Goldschmiedin, sondern hast Kunstgeschichte und International Management studiert. Wie kam es zu deinem Label?
Luisa: Ich habe mich schon immer für Schmuck interessiert. Meine Grossmutter war im Besitz von vielen Schmuckkästchen, die ich schon als kleines Kind gerne durchstöbert habe, um mich mit sämtlichen Ketten zu behängen. Zum Glück hatte sie auch viele Clip-Ohrringe, sodass ich keine Löcher brauchte. Jahrelang sah ich quasi ganzjährig aus wie ein Tannenbaum. 
Als ich älter wurde passierte dann genau das Gegenteil und ich habe so gut wie gar keinen Schmuck mehr getragen. Nur noch ein Erbstück - einen Ring - zierte meinen Finger. Zu dieser Zeit entschied ich mich dann auch für das Studium. Meinen Master verbrachte ich in meiner zweiten Heimat Barcelona und dort war ich wieder umgeben von wunderschönem Schmuck - der meistens unbezahlbar war. Es gab bis dato noch keine Labels die schönen, bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Schmuck angeboten haben. In meiner Straße entdeckte ich irgendwann einen kleinen Laden in dem man einzelne Komponenten kaufen konnte. Ketten, Anhänger, Steinchen etc. Irgendwann habe ich dann angefangen daraus meinen eigenen Schmuck zu fertigen. Immer wieder wurde ich dann von Freunden und Familie auf die Sachen angesprochen und ob ich ihnen nicht auch etwas designen könnte. So nahm die Sache ihren Lauf.
 
BL: Wann hast du dein erstes Stück regulär verkauft? 
Luisa: Das war ziemlich kurz nachdem ich angefangen hatte auch meine Freunde mit den Sachen auszustatten. 'Entdeckt' wurde der Schmuck damals von einem guten Freund in München, der Besitzer einer Kaufhaus Kette ist. Hier wurden die ersten Luilu Stücke verkauft. Kurz darauf lernte ich auf einer Pool-Party damals (2014) Farina von Novalanalove kennen. Alle sprachen plötzlich von Instagram und sie gab mir den Tipp dort einen Account zu eröffnen. Das tat ich und Farina machte einen Post für mich. Keine zehn Minuten später kamen die ersten Bestellungen an. Ich hatte absolut keine Ahnung. Und plötzlich hieß es nächtelang Ketten zusammen stellen & Pakete packen. Irgendwann musste ich sogar meine Mitbewohner einspannen. Aus Koch- und Spieleabenden wurde dann geselliges Schmuckverpacken. Ich hatte ja auch keinen klassischen Online-Shop. Ich weiß bis heute nicht, wie ich dieses Chaos von Instagram-Bestellungen, Überweisungen, Anfertigung und Shipping von Spanien nach Deutschland neben meinem Master-Studiengang geschafft habe, aber Luilu war geboren.
 
BL: Und wann hast du dich entschieden Luilu Hauptberuflich zu machen? 
Luisa: Das war keine bewusste Entscheidung. Ich bin da durch meine Leidenschaft und mangelndes Budget für echten Schmuck reingeraten und irgendwann war klar zu sehen, dass ich wohl einen Nerv getroffen habe. Ich kannte damals kein anderes Label was schönen filigranen Schmuck produziert hat und ich wollte ihn unbedingt selber tragen. So musste ich ihn mir selber machen. Alles hat sich nach und nach entwickelt. Erst Instagram, dann habe ich angefangen in Nachtschichten meinen Onlineshop zu bauen - alleine - mit Tutorials und viel Ausprobieren. Nebenbei habe ich das Produkt weiter entwickelt. Sobald ich genügend Teile verkauft hatte, um mir einen Flug leisten zu können, bin ich um die Welt gereist, um die besten Produzenten ausfindig zu machen. Ich wollte bezahlbare Qualität auf den Markt bringen. Nach und nach bin ich diesem Ziel näher gekommen. Das war mit sehr viele Arbeit, Geduld und Mühe verbunden. Nach meinem Studium besuchte ich verschiedene Design Kurse um den Schmuck auch eigenständig designen zu können und um meine vielen Ideen auf Papier bringen zu können.

BL: Was war dabei die größte Herausforderung? 
Luisa: Da ich mich selber nicht als Handwerkerin, in diesem Fall Goldschmiedin verstehe, sondern als Designerin und Visionärin, musste ich ganz zu Beginn jemanden finden, der meine Ideen fachlich so umsetzt, wie ich sie haben wollte. Alleine die richtige Vergoldung zu finden ist gar nicht so einfach. Die eine glänzt zu sehr, die andere ist zu matt oder zu gelb. Erschwerend hinzu kam, dass eine junge, blonde Frau, alleine reisend, bei den Produzenten nicht unbedingt immer ernst genommen wird. Ich musste mich durchsetzen und aufpassen nicht übers Ohr gehauen zu werden. Ein Fehltritt hätte gleichzeitig das Aus meines Labels bedeuten können. Zum Glück hatte ich in Barcelona einen meiner inzwischen engsten Freunde kennen gelernt. Ohne ihn wäre ich nie soweit gekommen. Er war schon über 15 Jahre in dem Bereich tätig und hat mir all das eigentlich ermöglicht. Wir sind viel zusammen gereist und haben so unsere tollen Partner gefunden.

BL: Wie meistert man diese Aufgabe? 
Luisa: Am besten ohne Angst. Das bedeutet nicht übermütig zu werden, aber hauptsächlich muss man einfach machen und seinem Instinkt trauen. Immer als ich mir selbst zu wenig und anderen zu viel vertraut habe, kam ich ins Schwanken. Mir hat es sehr geholfen mir selbst am meisten zu vertrauen. Das bedeutet auch bis heute, dass ich alle Bereiche meines Unternehmens immer wieder genau unter die Lupe nehme und mit meinen Werten und Standards abgleiche.
 
BL: Wie lange hast du Luilu alleine gestemmt? 
Luisa: Bis vor ca. 1,5 Jahren habe ich so gut wie alles alleine gemacht. Irgendwann musste ich Bereiche auslagern, weil es alleine nicht mehr zu stemmen war. Produktion, Versand, Marketing usw. Dort Partner zu finden, die meine Ideen & Wünsche 100% repräsentieren war nicht einfach. Oftmals war ich unzufrieden, weswegen ich nach und nach angefangen habe mir ein Team aufzubauen mit dem ich inzwischen gemeinsam in einem Büro sitze. Ich habe mir sozusagen alles wieder zurück geholt und meine Experten sitzen jetzt mit mir gemeinsam an einem Tisch. Diese Art des Arbeitens genieße ich sehr und ich kann direkter eingreifen und Probleme direkt lösen.

BL: Worauf achtest du besonders? 
Luisa: Am wichtigste ist mir am Ende ein zufriedener Kunde, den ich bei allen Handlungen immer im Blick habe. Wenn ich mir beispielsweise überlege, wie ich gerne ein Päckchen empfangen würde: In einem hübschen Karton, mit einem Gruß und bedrucktem Seidenpapier und dies nicht umgesetzt wird, dann entspricht das nicht meiner Philosophie. Um so etwas zu vermeiden haben wir uns dazu entschieden den Versand ab 2019 auch wieder selber zu übernehmen. Dann kann ich auch mal mit einer Rolle Geschenkpapier um die Ecke kommen und sagen, dass heute alles in pinkem Glitzer verpackt wird, einfach weil es mir Spaß macht immer mal wieder etwas zu verändern.

BL: Das klingt nach einem Luilu Headquarter?
Luisa: Richtig gehört. Seit Januar 2019 sitzen wir alle unter einem Dach. Vom Versand bis Marketing und Geschäftsführung sitzen wir gemeinsam in einem Büro. Wir haben es uns richtig gemütlich gemacht. Bei Instagram versuchen wir euch oft mit einzubeziehen und teilhaben zu lassen. Ich bin unglaublich glücklich über diese Veränderung und merke wie viel Kraft und Kreativität sie bei mir freisetzt hat. Schon jetzt sprudeln nur so die neuen Ideen & Designs aus mir heraus und ihr könnt euch auf großartige Kollektionen gefasst machen. Stay tuned! 

BL: Danke für das Gespräch und bis zum nächsten Mal.